April Musik News

Jeden Monat  suche ich Songs aus die ein bisschen aus dem Rahmen fallen – und die ich gut finde, ist klar. Manchmal sind Hits dabei, manchmal nicht. Können viele sein oder nur ein paar. Aber es sind immer Songs die ich selbst gern höre und die auch bei uns zuhause laufen. Versprochen. Am besten auf „Shuffle“ hören, dann macht’s immer Spaß!

James Bay – Chaos and the calm


Interessanter Typ. Lange Haare, immer nen schwarzen Hut auf und ne Gitarre umhängen. Erinnert mich ein bisschen an Nuno Bettencourt, den Gitarristen von Extreme. Erster Hit „Hold back the river“. Fängt ruhig an und geht dann ganz gut ab. Album fängt Mainstream mit nem leichten Countryschlag an mit „Craving“. Dann kommt der Hit, danach ne Ballade. Soweit ganz gut. „If you ever want to be in Love“ wieder midtempo wie der Opener. Ich warte noch auf das „Chaos“ im Albumtitel. Es plätschert weiter, dann kommt ne schöne Ballade, traurig, gut „Scars“, hier meint er es ernst, baut sich auf, toller Song. Danach wird’s ein bisschen ruppiger aber er bleibt sich treu und in „Get out while you can“ lässt er es sogar mal krachen und haut ein schönes Timbre in der Stimme raus. Gutes Album, wird hintenraus immer besser.


Er scharrt

Das macht er immer, wenn er sich unter den Tisch legt: Er scharrt. Ich denke, Hunde versuchen sich damit ein Bett zu machen oder eine Mulde zu graben, aber doch bitte nicht unterm Tisch! Ist ihm schnurzpiepegal. Er scharrt. Man ruft: „Lass das“ oder „Sieht gut aus“, dann scharrt er umso heftiger. Mit einem Gesichtsausdruck als wollte er sagen: „Klappe, du hast ja keine Ahnung, das sieht noch lange nicht gut aus“.

Mal gucken, wie lange das Parkett an der Stelle durchhält, es wurde mir als hundeunempfindlich angepriesen – das werden die noch bereuen….

Warum ich Radio liebe!

Es ist direkt, schnell, und ich kann alles selbst machen. Ich bin also Redakteurin, Produzentin und Moderatorin in Einem. Wir kommen in den Sender, der Schreibtisch ist leer und wir entwickeln, meist in Zweierteams, die Sendung. Themen und Autoren werden gesucht, Anmoderationen verfasst, Musiklaufplan durchgesprochen, die Beiträge werden bearbeitet und optimiert – das ist alles die Vorarbeit. Danach geht’s ins Studio. Dort wird die Sendung dann „gefahren“ – heißt: Die Musik muss miteinander verbunden werden damit es gut klingt, die Beiträge müssen platziert werden, Wetter, Verkehrslage, Nachrichten werden integriert. Das ist dann hochkonzentriertes Arbeiten mit Spaßfaktor. Nicht jeder kann beim Arbeiten laut Musik hören…..

ModerationDazu kommt: ich darf mit intelligenten Menschen arbeiten, die sich für das Leben interessieren, die informiert sind, die abwägen können was wichtig und was Mumpitz ist und bei denen man nicht das Gefühl hat mit Tauben Schach zu spielen. Von meinen Kollegen kann ich immer wieder lernen und mit ihnen lachen. Außerdem ist es bei uns im Sommer kühl, im Winter warm und immer hell. Daumen hoch!

Und wenn dann meine Sendung vorbei ist, machen wir Platz für das nächste Team. Der Schreibtisch ist wieder leer.

Kunst und die Sicht des Betrachters

Wir hatten es hier ja schon mal an anderer Stelle: ich habe keine Ahnung von Kunst. Da sitze ich letztens in einer Kanzlei mit lauter schicken Bildern an der Wand. Tolle Sachen dabei und sicher auch ganz schön teuer. Aber an einer Wand hängt ein Kunstwerk, das sieht aus wie die Kritzeleien die ich so mache, wenn ich mich beim telefonieren langweile. War sicher auch ganz schön teuer. Vielleicht sollte ich demnächst auf Büttenpapier oder Leinwand kritzeln….

Die Seltsamen – Stefan Bachmann

Ein 16 jähriger amerikanischer Schweizer, der, seit er 11 Jahre alt ist, in Zürich am Konservatorium Orgel und Komposition studiert und später mal Filmkomponist werden will. Das ist noch nicht die Geschichte des Buches, das ist erst mal der Autor.

Und weil der Junge anscheinend wirklich begabt ist, hat er mal eben noch einen Roman in Englisch geschrieben, der einem aus den Socken haut: „Die Seltsamen“

Die großen Feenkriege sind vorbei, man hat sich geeinigt und Feen und Menschen leben und regieren miteinander. Nicht besonders friedlich, aber es geht. Das Problem sind die Mischlinge – die will wirklich keiner haben, und so interessiert es auch nicht wirklich, dass ziemlich viele von ihnen umgebracht werden.

Unser Held Bartholomew ist natürlich so ein Mischling, und er lebt mit Mutter und Schwester in den Feen-Armenvierteln von London. Raus aus der ärmlichen Wohnung dürfen die Kinder so gut wie gar nicht, es könnte sie ja einer sehen. Und es kommt wie es kommen muss: Bartholomew sieht, wie ein Nachbarsjunge von einer Dame mit pflaumenfarbenen Kleid mitgenommen wird, und der Selbe Junge taucht erst tot und innen hohl wieder auf. Bartholomew ist klar: er ist der nächste, und so flieht er mit seiner Schwester aus dem Armenviertel

Gleichzeitig lernen wir einen ziemlich gelangweilten reichen Politiker kennen, der eigentlich mit Politik nix am Hut hat, seine Ruhe haben will, und auch ansonsten nicht gerade der mutigste ist. Trotzdem wird er zum Helden und kämpft später zusammen mit Bartholomew für die Rechte der Mischlingskinder. Bis es soweit kommt müssen sich die beiden aber erst mal kennenlernen und die Standesunterschiede zwischen ihnen in den Griff bekommen. Und das ist so wunderbar beschrieben, es könnte glatt Filmmusik sein – und spannend ist es natürlich auch.

Die geheime Geschichte – Donna Tartt

„Ich nehme an, es gab eine Zeit in meinem Leben, da hätte ich eine beliebige Anzahl von Geschichten gewusst, aber jetzt gibt es keine andere mehr. Dies ist die einzige Geschichte, die ich je werde erzählen können“

Wäre dieses Buch nur ein Krimi dann wäre im Prolog die Spannung schon raus. Denn auf der ersten Seite erfahren wir bereits wer stirbt und wer die Mörder sind. Trotzdem ist es eine der spannendsten Stories die ich je gelesen habe.

Erzählt wird sie von Richard, ein junger Typ aus eher ärmlichen Verhältnissen, der es aber geschafft hat an einer Elite Uni unterzukommen. Dort schreibt er sich für einen Kurs für Altgriechisch ein bei dem er seine späteren Mitmörder kennenlernt- und die Liebe seines Lebens.

Richard ist natürlich vom Lebensstil seiner neuen Freund schwer beeindruckt. Denn: Wer genug Geld hat kann auch die dekadentesten Feste feiern – und eine Zeit lang ist das auch sehr aufregend, bis sich dann die Schlinge um Richard und seine Freunde langsam zuzieht und sie einen aus ihrer Mitte ermorden. Ein Mord, der übrigens nie entdeckt wird. Trotzdem wird er bestraft. Vom Leben, und das ist viel trauriger als Knast.

Die Times hat nach Erscheinen des Buches geschrieben: „Eine erstaunliche Mischung aus einem Kriminalroman und einer Studie des Bösen“, berühmte Autoren haben sich fast überschlagen mit ihrem Lob für Donna Tartt’s erstem Roman. Sie selbst hat 9 Jahre zum Schreiben gebraucht. Und wenn ich richtig gerechnet habe, dann müsste spätestens nächstes Jahr ihr neues Buch erscheinen.

Wenn es auch nur annähernd so packend geschrieben ist wie die geheime Geschichte dann weiß ich schon jetzt, dass ich wieder für die Welt verloren bin bis ich es fertig gelesen habe.

Die dunklen Gassen des Himmels – Tad Williams

Himmel, Hölle und Fegefeuer existieren wirklich und wenn ein Mensch stirbt gibt es eine Art Gerichtsversammlung mit Anwälten des Himmels und der Hölle – dann wird entschieden wohin die Seele geht.

Einer dieser Himmelsanwälte ist Bobby Dollar, eigentlich Engel Doloriel. Er lebt, wie seine Kollegen auch, mit einem menschlichen Körper auf der Erde, hat Kumpels, ein verkorkstes Liebesleben und ‘ne Stammkneipe. Ab und zu muss er nach Oben um seinem Chefengel Bericht zu erstatten, aber da ist es ihm eher langweilig. Zu viel Glückseligkeit, und Gott hat er leider noch nie getroffen.

Alles läuft für ihn ziemlich glatt, bis eine Seele vor ihrer Verhandlung, bei der Bobby Dollar als Anwalt eigesetzt war, verschwindet und keiner weiß wer sie hat. Oben oder Unten. Und so geht’s ja nicht, denn das verstößt gegen alle Regeln.

Jetzt lernen wir ne Menge mächtige Engel kennen, aber auch ne Menge fiese Höllendämonen und die Story wird eher ein Thriller – mit phantastischen Hauptdarstellern halt. Es verschwinden noch mehr Seelen, Bobby ist ein bisschen zu neugierig und hat jetzt richtig Ärger und einen uralten Killer am Hals.

Und als wär das nicht schon schlimm genug, verliebt er sich auch noch in eine Höllengräfin. Bobby kommt mir vor wie Bruce Willis in Die Hard – irgendwie schafft er es immer am Leben zu bleiben und sich durch zu ballern, aber er muss auch mächtig Federn lassen. Denn unabsichtlich und unschuldig gerät er in die größte Verschwörung seit Erfindung von Himmel und Hölle.